Nützliche Artikel · Für Künstler
Portfolio, CV, Biografie: wie ein Künstler von sich erzählt
Tatiana Knyazhitskaya · 2026
Man sagt, der einzige Ort in Paris, von dem aus man den Eiffelturm nicht sehen kann, sei der Eiffelturm selbst. Genauso fällt es Künstlerinnen und Künstlern schwer, das eigene Schaffen und den eigenen Werdegang nicht von innen, aus der eigenen Lebenserfahrung heraus, sondern mit den Augen eines Außenstehenden zu betrachten. Doch um von sich zu erzählen, muss man aus diesem System heraustreten und zum Beobachter des eigenen Weges werden.
Dabei verlangt das professionelle Umfeld nicht einen, sondern gleich mehrere solcher Blickwinkel. Die Galerie bittet um ein Portfolio, der Wettbewerb um einen CV, die Journalistin um eine kurze Biografie, die Website braucht einen „Über mich“-Text, die Ausstellung ein Artist Statement.
Nicht selten verschickt ein Künstler ein und dieselbe Datei für ganz verschiedene Zwecke. Das Ergebnis: Das Portfolio wird zur Auflistung aller je geschaffenen Arbeiten, die Biografie zu einer Reihe von Daten und der Text über das Schaffen zu einer Ansammlung nebulöser Worte.
Das Portfolio
Das Portfolio zeigt, was Sie schaffen. Es ist kein Archiv alles Gemachten, sondern eine durchdachte Auswahl von Werken in einer bestimmten Abfolge. Für eine Galerie, einen Wettbewerb, eine Ausstellung oder einen Auftraggeber können unterschiedliche Versionen des Portfolios nötig sein.
Der CV
Der CV zeigt, wie Sie im professionellen Feld vertreten sind. Er nennt Ausbildung, Ausstellungen, Residenzen, Preise, Publikationen sowie die musealen und privaten Sammlungen, in denen sich Ihre Werke befinden. Hier muss der Sinn des Schaffens nicht erklärt werden: Es zählen Fakten, Genauigkeit und eine klare Struktur.
Die Biografie
Die Biografie beantwortet die Frage, wie sich Ihr künstlerischer Weg entwickelt hat. Sie verbindet Ereignisse, Begegnungen, Werke und Schaffensphasen zu einer zusammenhängenden Geschichte. Das ist keine Auflistung von Erfolgen mehr, sondern die Erzählung vom Werden eines Künstlers.
Der Lebenslauf für Bewerbungen
Ein klassischer Bewerbungslebenslauf wird vor allem für die Stellensuche gebraucht — etwa als Lehrkraft, Designerin oder Restaurator. Hier zählen Fähigkeiten, Berufserfahrung und fachliche Kompetenzen. Eine freischaffende Künstlerin braucht für den Kontakt mit einer Galerie in der Regel einen CV, keinen Bewerbungslebenslauf.
Der „Über mich“-Text
Der „Über mich“-Text stellt Sie den Besuchern Ihrer Website, den Lesern eines Katalogs oder Ihren Abonnenten kurz vor. Er soll schnell vermitteln, wer Sie sind, was Sie tun und was Ihr Schaffen auszeichnet.
Das Artist Statement
Das Artist Statement, der Text über das eigene Schaffen, erzählt nicht mehr von der Biografie, sondern von der Kunst selbst: welche Themen Sie beschäftigen, wie Sie mit Material, Bildern und Raum arbeiten, warum Sie gerade diese künstlerische Sprache wählen.
Weitere professionelle Texte
Darüber hinaus können Beschreibungen von Serien und Projekten sowie Texte für Ausstellungen, Kataloge, Bewerbungen und Medien nötig sein.
All diese Materialien sollten einander nicht wörtlich wiederholen. Zusammen bilden sie ein System, in dem der Künstler plastisch sichtbar wird: durch seine Werke, die professionellen Fakten, seine Ideen und seine eigene Geschichte.
In den nächsten Artikeln gehe ich ausführlich auf die verschiedenen Formate der Künstlerpräsentation ein und zeige konkrete Beispiele.
Und wenn es Ihnen schwerfällt, das eigene Schaffen von außen zu betrachten und zu erkennen, was darüber wirklich gesagt werden sollte, helfe ich Ihnen, Ihre Positionierung zu entwickeln und ein professionelles Textpaket vorzubereiten. Schreiben Sie mir.